Bad Lauterberg. „Die Wahrheit ist …“ – eine Aussage, die Bürgermeister Rolf Lange nur zu gern gebraucht.
Die „Wählergruppe im Rat“ (WgiR) ist gern bereit anzuerkennen, dass es zu den unterschiedlichsten Themen auch unterschiedliche Ansichten gibt. Doch wer sich mit Bürgerbeteiligung und Transparenz brüstet und gleichzeitig die Wahrheit für sich in Anspruch nimmt, der sollte auch die Realität eingestehen und tatsächlich selbst erreichte Ziele benennen – und nicht schlichte Aufgabenerfüllung als politischen Erfolg verkaufen.
Wieder einmal gab es eine große Berichterstattung über das nun abgebrannte ehemalige Hotel am Wiesenbeker Teich. Unser Bürgermeister erklärt dazu auf Nachfrage der Tageszeitung, dass er in zwei Wochen ein Gespräch mit dem „Bereich für Vermögensverwaltung von verbotenen Vereinen“ habe. Doch wie glaubhaft ist das?
Über Veränderungen, Termine oder sonstige Gespräche in diesem Zusammenhang hat er jedenfalls bislang nicht berichtet. Zu einer Kontaktaufnahme mit den zuständigen Stellen hat ihn die WgiR mehrfach aufgefordert. Trotzdem hat er nicht einmal erwähnt, dass nun angeblich der Bereich für die Vermögensverwaltung verbotener Vereine zuständig ist. Allein die Formulierung, man habe einen Termin „mit einem Bereich“, lässt zumindest Fragen offen. Dass weder der Bürgermeister noch sonst jemand im Amt dazu in der Lage war, wenigstens im Zusammenhang mit dem Vorkaufsrecht der Stadt einen prüfenden Blick auf die Käuferin zu werfen, ist erschreckend. Schließlich ist bekannt, dass entsprechende Immobilien im Harz auch für bestimmte Szenen von Interesse sind. Die Aussage, man habe eine Überprüfung durchgeführt, sich dabei aber beim Namen verschrieben, klingt wenig überzeugend. Vor allem zeigt sie, wie oberflächlich offenbar mit wichtigen Angelegenheiten umgegangen wird.
Auch beim Blick auf den Stimmzettel für die Bürgermeisterwahl in Bad Lauterberg fällt diese Oberflächlichkeit wieder auf. Hinter der Kandidatin Anna-Lena Richter steht bei ihrer Zugehörigkeit – falsch geschrieben – „WigR“ statt WgiR. Ein Schreibfehler? Ein Druckfehler? Kann ja mal passieren!? Aber bei einer Wahl – solche einfachen Fehler? Mal ehrlich: Überprüft das niemand?
Ein anderes Beispiel: Die Stadt vergibt einen Auftrag zur Teilsanierung der Heikenbergstraße. Die Firma kommt, führt die Arbeiten aus, packt ein und zieht weiter. Erst die Anwohner bemerken, dass ein Teilstück nicht saniert wurde. Auch hier stellt sich die Frage, ob niemand von der Stadt die Firma vor Ort richtig eingewiesen und nach Abschluss der Arbeiten die Ausführung überprüft hat. Aber es wird munter behauptet, man kümmere sich um die Straßen.
Zum Ende einer Wahlperiode bleibt immer die Frage: Wo sind die echten Erfolge und Verbesserungen? Der hochgelobte Erhalt des „Bäderstatus“ war doch, genau betrachtet, ebenfalls kein besonderes politisches Engagement, sondern zunächst einmal das Abarbeiten einer Mängelliste, die bei der turnusmäßig wiederkehrenden Prüfung festgestellt wurde. Die notwendigen Dinge wurden erledigt. Das ist richtig und wichtig. Aber muss die Erfüllung einer ohnehin bestehenden Aufgabe anschließend als großer politischer Erfolg verkauft werden? Die Wahrheit ist leider nicht immer so einfach wie dargestellt.
Mit Blick auf Wahlergebnisse, die zunehmende Unzufriedenheit und die vielerorts zu hörenden Unmutsäußerungen möchte die WgiR die Bürgerinnen und Bürger darauf hinweisen, dass sie in Bad Lauterberg die sogenannte politische Mitte nicht verlassen müssen, um Veränderungen zu wählen.
Auch wenn gern behauptet wird, die anderen – also die WgiR – würden unwahre Behauptungen aufstellen, sollte das nicht über eine Kaugummi-Wahrheit hinwegtäuschen: eine Wahrheit, die offenbar so lange gezogen und gedehnt wird, bis sie zur eigenen Darstellung passt. Die WgiR wird auch weiterhin genau hinschauen, Fragen stellen und Dinge ansprechen, die aus unserer Sicht nicht richtig laufen. Denn wer „die Wahrheit“ für sich beansprucht, muss sich auch an ihr messen lassen.